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	<title>Archiv 2014 | iir-berlin</title>
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	<title>Archiv 2014 | iir-berlin</title>
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	<item>
		<title>Ruprecht von Kaufmann.</title>
		<link>https://iir-berlin.com/ruprecht-von-kaufmann/</link>
		
		<dc:creator><![CDATA[Martin Raabenstein]]></dc:creator>
		<pubDate>Tue, 09 Sep 2014 09:43:55 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Allgemein]]></category>
		<category><![CDATA[Archiv 2014]]></category>
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					<description><![CDATA[Ruprecht von Kaufmann. Ein Portrait. Die unbarmherzige Treibjagd nach dem wahren Grund des Lebens und der endgültigen und unwideruflichen Definition des universellen Weltenantriebes, ist das mühevollste und zugleich unerfüllbarste Unterfangen des Menschen. Kein Schmetterling darf ungelenkt seinem flattrigen Treiben hinterherirren, kein Nahrungsmittelsack in fernem Lande hiervon unbetroffen umstürzen. Unter diesem heiligen aber gehetztem Dikat verbleibt [&#8230;]]]></description>
										<content:encoded><![CDATA[<p><a href="http://www.no-ones-books.com/wp-content/uploads/rvk-portrait.jpg" target="_blank" rel="noopener"><img loading="lazy" decoding="async" class="alignnone wp-image-1350 size-full" src="http://www.no-ones-books.com/wp-content/uploads/rvk-portrait.jpg" alt="rvk-portrait" width="1600" height="900" /></a></p>
<p>Ruprecht von Kaufmann.<br />
Ein Portrait.</p>
<p>Die unbarmherzige Treibjagd nach dem wahren Grund des Lebens und der endgültigen und unwideruflichen Definition des universellen Weltenantriebes, ist das mühevollste und zugleich unerfüllbarste Unterfangen des Menschen. Kein Schmetterling darf ungelenkt seinem flattrigen Treiben hinterherirren, kein Nahrungsmittelsack in fernem Lande hiervon unbetroffen umstürzen. Unter diesem heiligen aber gehetztem Dikat verbleibt nichts ohne Deutung, ob vordergründig tief, ob herzzerreissend flach, allem Seienden wird beflissentlich und zur allgemeinen Beruhigung ein inhaltssicheres Dach aufgezimmert.<span id="more-6667"></span></p>
<p><a href="http://www.no-ones-books.com/wp-content/uploads/bild01.jpg" target="_blank" rel="noopener"><img loading="lazy" decoding="async" class="alignnone wp-image-1351 size-full" src="http://www.no-ones-books.com/wp-content/uploads/bild01.jpg" alt="bild01" width="1400" height="995" /></a><br />
Nebel &#8211; Suspendiert, 2008, Öl, Wachs, Pigment auf Leinwand, 200 x 280 cm</p>
<p>So lässt sich annehmen, dass eine nicht zu unterschätzende Anzahl unter den Betrachtern der Werke Ruprecht von Kaufmanns ebendiesem Drang erliegen, bietet seine Bildwelt reichlich Anlass für Begriffe wie &#8222;Rätsel&#8220;, &#8222;Traum&#8220; oder andere Unwägbarkeiten. In direktem Kontakt, der Tücke spontan krampfender Ratlosigkeit ausgesetzt, wird die wedelnde Geste nach vornehmlicher Sinnklärung zur gemeinschaftsformenden Rettungsweste. Aber warum dies? Stünde der direkte Zugang zum Verständnis des Dargestellten im klaren und eindeutigen Fokus des Schaffenden, wären seine Werke dann nicht entsprechend anders gestaltet? Deutet nicht genau diese offensichtliche Verweigerung eines erkenntnisbefütternden Fast Looks auf das eigentliche Tor, durch das man die Welt des Ruprecht von Kaufmann zu betreten habe? Verzichten wir für einen Moment auf die heilversprechenden, taubenförmigen Bratenerkenntnisse aus den Deutungsschlaraffenländern konkurierender Artisten und betreten unvoreingenommen diese seine Bühne.</p>
<p><a href="http://www.no-ones-books.com/wp-content/uploads/bild02s.jpg" target="_blank" rel="noopener"><img loading="lazy" decoding="async" class="alignnone wp-image-1352 size-full" src="http://www.no-ones-books.com/wp-content/uploads/bild02s.jpg" alt="bild02s" width="1153" height="1400" /></a><br />
Offenbarung, 2009, Öl, Wachs, Pigment auf Leinwand, 170 x 140 cm</p>
<p>Erhängt der König den Narren muss er um sein eigenes Ende bangen. Im hier und jetzt wagt nur der Schellenmann des Herrschers Macht kritisch zu umtanzen. So bildet ihr Spiel ein sich bedingendes Paar. Der Wirkradius des listigen Vertreters bespassender Zunft hingegen ist nur von kurzer Leine. Zu süsslich die Lockung, zu salzig der Hohn und aus ists mit dem Irrwitz unter bimmelnder Haube. Die klug gewirkte Schlinge aus Humor, Ironie und Spott muss locker um den Hals gelegt werden. Genau hier trifft Komödie auf Tragödie und genau hier, im grauen Halbdunkel der Unentscheidbarkeit zwischen Lachen oder Weinen zieht Ruprecht von Kaufmann seine fragile, artistische Bühne auf.</p>
<p><a href="http://www.no-ones-books.com/wp-content/uploads/bild03s.jpg" target="_blank" rel="noopener"><img loading="lazy" decoding="async" class="alignnone wp-image-1353 size-full" src="http://www.no-ones-books.com/wp-content/uploads/bild03s.jpg" alt="bild03s" width="1352" height="545" /></a><br />
Das Atelier, 8 Jahre aus meinem Leben als Herr Lampe, 2009, Öl, Wachs, Pigment auf Leinwand, 220 x 560 cm</p>
<p>König und Narr, bei den Griechen beliebt, von Shakespeare verfeinert, durch alle Zeiten und Medien windet sich der feine Hauch des Dramas um Bestand und Fluss. Der verwehenden Spur dieser ewiglichen Rauferei aufmerksam nachspürend, räubert der Künstler in behender Feinfingrigkeit die Elemente für seine eigene Fassung dieses Epos&#8216; zusammen. Ob geschickt stibitzt aus klassischer Kunst, der Moderne oder Comics hier, oder unerkannt entwendet bei Literatur, Theater, oder Film dort, Ruprecht von Kaufmann wirft brillant kollagierend Fundstück um Fundstück in seinen Malraum. Die schwebende, fallende, stürzende Figur wird so tragendes Element Kaufmannscher Motivfindung. Ob auf uns zu oder von uns weg, über oder unter uns, des Künstlers Menschendarstellung treibt dahin in bodenlosem Niemandsland. Die Manege ist nach allen Seiten hin weit geöffnet und unermüdlich die Szene umkreisend, legt der Maler mit leichter Hand seine erzählerischen Bildausschnitte fest.</p>
<p><a href="http://www.no-ones-books.com/wp-content/uploads/bild04.jpg" target="_blank" rel="noopener"><img loading="lazy" decoding="async" class="alignnone wp-image-1354 size-full" src="http://www.no-ones-books.com/wp-content/uploads/bild04.jpg" alt="bild04" width="1188" height="1400" /></a><br />
The trick is to keep breathing und state of flux pt. 01, 2013, Öl und Acryl auf Leinwand, 220 x 180 cm</p>
<p>Damit uns die Identifizierung der um uns treibenden Sachwerte nicht allzu tölpelhaft an die Hirnlappen dengelt, drückt von Kaufmann ab und an lässig auf die Nebelmaschine und klopft, hinter wabernd, verbergender Dunstwand emsig weiter, unseren sorgsamst gehorteten Erinnerungsschatz ab. So nimmt es dann bei des Künstlers kunstfertig zelebriertem Taschenspielerkapital auch kein Wunder dass er vor der Darstellung des bitteren Fanals zurückweicht. Die letzte Szene lässt er aus, wohl wissend um des Publikums Zwang zur Geschichtsvollendung, zur inneren Fertigschreibung, komme was da wolle.</p>
<p>Dabei hat Ruprecht von Kaufmann uns mehrfach unter verschiedentlichen Kappen tappend um uns selbst gedreht und schlimm die Orientierung genommen. Dass er uns dabei kalt lächend gegen unsere eigenen, beschränkenden Wände anrennen lässt, scheint ihm nicht unbekannt. Der Künstler ist ein ruhiger Mensch. Er hat Zeit. Auch diese blutige Nase wird er irgendwann verwenden. Irgendwann und ohne dass wir dieses bemerken.</p>
<p><a href="http://www.no-ones-books.com/wp-content/uploads/bild05.jpg" target="_blank" rel="noopener"><img loading="lazy" decoding="async" class="alignnone wp-image-1355 size-full" src="http://www.no-ones-books.com/wp-content/uploads/bild05.jpg" alt="bild05" width="1400" height="1123" /></a><br />
Der Schornsteinfeger fällt am Fenster vorbei, 2014, Öl, Acryl und Collage auf Linoleum, 165 x 200 cm</p>
<p>Interview.</p>
<p>Raa &#8211; Ruprecht, aufreizen aber nicht anfassen lassen, hochpuschen aber nicht einlösen. Was ist los mit der zeitgenössischen Kunst?</p>
<p>RvK &#8211; Nichts… ist vielleicht die zynische und knappe Antwort. Gute Künstler gibt es wie eh und je. Die Hofnarren singen und tanzen noch und versuchen ihre langen Füsse unbequem in den Weg zu strecken. Nur haben die Könige der Welt sie entweder in goldene Schachteln verbannt, wo sie in opportunen Momenten einem staunenden Publikum vorgeführt werden, als &#8222;Freizügigkeits&#8220; Trophäen der Meister des Geldes, oder man lässt sie einfach an der langen Hand verhungern. Kunst schaffen und Kunst vermarkten, ebenso wie Atelier und Kunstmarkt, haben sich immer mehr von einander entfernt und zwingen den Künstler in die unangenehme Position des Berufsschizophrenen, wenn er versucht sich in diesen beiden Welten zu bewegen.</p>
<p>Raa &#8211; Deine Arbeiten sind voller Bildzitate. Gibt es dennoch Vorbilder die zwischen deinen vielfältigen Welten namentlich herausragen?</p>
<p>RvK &#8211; Ich denke ich habe einen sehr eklektischen Geschmack. Ich habe sehr viele, sehr unterschiedliche Vorbilder. Das reicht von Velasquez über Goya zu Rothko. Der größte Teil meiner Inspiration aber kommt eigentlich von Schriftstellern und Musikern. Texte von Salman Rushdie oder Jonathan Lethem oder die Liedtexte von Tom Waits sind für mich sehr wichtige Quellen. Oft sind es nur zwei, drei Worte, die ganze Bilderlawinen in meinem Kopf lostreten.</p>
<p><a href="http://www.no-ones-books.com/wp-content/uploads/bild06.jpg" target="_blank" rel="noopener"><img loading="lazy" decoding="async" class="alignnone wp-image-1356 size-full" src="http://www.no-ones-books.com/wp-content/uploads/bild06.jpg" alt="bild06" width="1400" height="385" /></a><br />
Fabel, 2014, Öl und Acryl auf Leinwand, 210 x 800 cm</p>
<p>Raa &#8211; Die Einleitung hat sich nur mit deinen Bildmotiven beschäftigt. Was hat dich dazu gebracht neben Leinwand auch Gummi, Seide und Linoleum als Träger zu benutzen?</p>
<p>RvK &#8211; Ich habe Bilder immer sehr stark auch als Objekte empfunden, die sich von der Wand abheben und nicht nur einen Bildraum öffnen, sondern auch in Dialog mit dem Raum in dem sie hängen, treten. Dies kann bei Malerei auf Leinwand über die Struktur der Leinwand, den Farbauftrag oder die Texturen, die die Pinsel auf der Leinwand hinterlassen, geschehen. An klassischen Leinwandbildern aber hat mich immer gestört, dass selbst bei sehr bewegtem Bildmotiv der Betrachter sich kaum vor dem Bild hin und her bewegt. Dieser nimmt den scheinbar idealen Standpunkt ein und verweilt dort. Bestenfalls kann man durch kleinere Details eine Vor- und Zurückbewegung stimulieren. der Blickwinkel ist aber eindeutig. Dieser zu eindeutige Blickwinkel aber verleitet auch zu einer zu eindeutigen Bedeutungsebene. Deshalb lasse ich die Bildoberfläche, den Bildträger selbst zur Skulptur werden. Damit sind immer gewisse Teile des Bildes so verzerrt, das der Betrachter gezwungen wird sich vor dem Bild hin und her zu bewegen um die Gesamtheit des Bildes erfassen zu können. Im Wechsel zwischen Detail und Gesamtüberblick entsteht die Komposition. Dies reflektiert unsere Lebenserfahrung, die Art wie wir die Welt wahrnehmen sehr viel besser als die flache Leinwand.</p>
<p><a href="http://www.no-ones-books.com/wp-content/uploads/bild07.jpg" target="_blank" rel="noopener"><img loading="lazy" decoding="async" class="alignnone wp-image-1357 size-full" src="http://www.no-ones-books.com/wp-content/uploads/bild07.jpg" alt="10016-IN2" width="866" height="1400" /></a><br />
Äquator &#8211; Mittsommer, 2010, Acryl auf Filz, 180 x 500 cm</p>
<p>Raa &#8211; Die zweidimensionale Bildillusion ist dir schlichtweg zu einfach? Aber da steckt doch noch mehr dahinter&#8230;</p>
<p>RvK &#8211; Ich interessiere mich sehr für Malerei an sich. In den letzten Jahrenzehnten war man als Maler immer gezwungen entweder narrativ zu arbeiten, damit aber die Malerei der Moderene zu negieren, oder umgekehrt. Dadurch haben sich Maler in zwei Lager gespalten, dazwischen liegt ein mit viel Stacheldraht gesichertes Niemandsland. Gerade dieses lange brach Liegende fasziniert mich. Es birgt unendlich viele Möglichkeiten für einen Künstler, der erstens dumm genug ist, sich mit Malerei zu befassen und zweitens sich weder dem einen noch dem anderen Lager anschliessen will. Ich finde nicht dass die formalen Aspekte einer Komposition sich zwangsläufig einem Narrativ unterordnen müssen. Die beiden können durchaus zusammen in einer Komposition in einen sehr konstruktiven Dialog treten, und sich sogar gegenseitig bestärken.</p>
<p>Mit einem Bild etwas erzählen zu wollen, schliesst nicht zwangsläufig aus, sich mit Malerei und Farbe als reiner Materie auseinander zu setzten. Text und Komposition schwächen sich in der Musik ja auch nicht. Im Gegenteil, die Melodie kann den Text, das gesungene Wort, in seiner Bedeutung entscheidend verändern. Ebenso kann die Melodie den mit ihr verwobenen Text bereichern. Das Gleiche gilt für die Malerei. Das narrative Elemente ergänzt das pure Material der Malerei um einen weitereren Zugang. Ich finde Malerei darf ruhig emotional sein, emotionale Intelligenz sollte nicht unterschätzt werden.</p>
<p><a href="http://www.no-ones-books.com/wp-content/uploads/bild08.jpg" target="_blank" rel="noopener"><img loading="lazy" decoding="async" class="alignnone wp-image-1358 size-full" src="http://www.no-ones-books.com/wp-content/uploads/bild08.jpg" alt="bild08" width="1400" height="1150" /></a><br />
ohne Titel, 2014, Öl, Acryl und Collage auf Linoleum, 165 x 200 cm</p>
<p>http://rvonkaufmann.com/</p>
<p>Aktuelle Arbeiten von Ruprecht von Kaufmann sind zu sehen in der Gruppenausstellung:<br />
Michael Just &#8211; Manuela Kasemir &#8211; Ruprecht von Kaufmann<br />
EIGEN + ART Lab,  Auguststrasse 11 &#8211; 13, 10117 Berlin</p>
<p>Die Eröffnung ist am Donnerstag, den 11. September 2014, 17 &#8211; 21 Uhr.<br />
&#8212;</p>
]]></content:encoded>
					
		
		
			</item>
		<item>
		<title>Kann das Kunst oder ist das weg?</title>
		<link>https://iir-berlin.com/kann-das-kunst-oder-ist-das-weg/</link>
		
		<dc:creator><![CDATA[Martin Raabenstein]]></dc:creator>
		<pubDate>Tue, 09 Sep 2014 09:33:42 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Allgemein]]></category>
		<category><![CDATA[Archiv 2014]]></category>
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					<description><![CDATA[Kann das Kunst oder ist das weg? Zepter und Sloterdijk machen mobil. Mit &#8222;Kunst hassen&#8220; hat die &#8222;The Germans&#8220; Herausgeberin Nicole Zepter im Herbst letzten Jahres damit angefangen, jetzt lästerts auch äusserst unwillig in Peter Sloterdijks neuem Essay &#8222;Die schrecklichen Kinder der Neuzeit&#8220;. Die beschauliche Alllee der zeitgenössische Kunst erhält wortgewandt angebrachte Schlaglöcher. Des Künstlers [&#8230;]]]></description>
										<content:encoded><![CDATA[<p><a href="http://www.no-ones-books.com/wp-content/uploads/titel.jpg" target="_blank" rel="noopener"><img loading="lazy" decoding="async" class="alignnone wp-image-1345 size-full" src="http://www.no-ones-books.com/wp-content/uploads/titel.jpg" alt="titel" width="1600" height="900" /></a>Kann das Kunst oder ist das weg?<br />
Zepter und Sloterdijk machen mobil.</p>
<p>Mit &#8222;Kunst hassen&#8220; hat die &#8222;The Germans&#8220; Herausgeberin Nicole Zepter im Herbst letzten Jahres damit angefangen, jetzt lästerts auch äusserst unwillig in Peter Sloterdijks neuem Essay &#8222;Die schrecklichen Kinder der Neuzeit&#8220;. Die beschauliche Alllee der zeitgenössische Kunst erhält wortgewandt angebrachte Schlaglöcher.</p>
<p>Des Künstlers Blick in den zeitgenössischen Spiegel gebiert schieläugig delirierende Schauspiele. Im schalen Zirkus fabulierender Innenbelauschung, zwischen chronischer Konfusion fortgesetzter Legitimationshysterie und der hilflosen Ermattung an inwendiger Unschärfe, mag die unbeschämte Markierung künstlerischer Stellung nur demjenigen abrieblos gelingen, dem Selbstrespekt unbekannt und der, im tölpelhaften Rausch farbenprächtigen Glücksrittertums, auf den modernen Wiesen monetärer Turnierleidenschaft dahintrabt. Mit siegesgesichertem Hufscharren, lächelnd und sich seiner  Prämie gewiss, feiert das von sich entgrenzte Individuum seinen triumphalen Einzug in Hallen höherer Weihen und verendet wohligmatt auf dem flauschigen Siegertreppchen öder Camouflage. So stirbt die Kunst nicht durch sich, der kleinliche Freitod derer, die sie erschaffen sollten, formuliert die Szene.<span id="more-6665"></span></p>
<p>Unter dem Diktat permanenten Selbstentmachtungswillens, knietief in brillianzscheuer Authentizitätspanik versunken, schmuddeln Inhalt und Form im blubbernden Strategiesumpf. Auf dem Misthaufen schwelender Arroganz kompostiert die artistische Souveränität. Dünnlippig elitär, aber mächtig effektvoll, schwebt die Drohung über Allen, diesen mit ewiger Verdammnis im Niemandsland selbstverschuldeter Nichtigkeit zu behaften, der es wagen sollte, eigensinnig aus der stumpf dräuenden Herde auszuscheren. &#8222;Ich tue, weil ich (und was ich) will&#8220; beflissentlich umrundend, wählt der zeitgeistig motivationskeusche Delinquent den rutschfesten Abstieg im komatösen Rückwärtsgang. Nicht ErSieEs habe die Kunst zu finden, man falle gefälligst unbeabsichtigt hinein. Dem staunbereiten Umfeld sei dann umgehend und lauthals dieser unerhörliche Fund zu vermelden. Wenn in Pasolinis &#8222;Decameron&#8220; der dröge Edelmann in der Jauchegrube zu ersaufen droht, bildet seine herzzerreissende Bitte um Rettung mehr als nur ein schmunzelndes bon mot. &#8222;Hilfe, ich bin in die Scheisse gefallen&#8220; umrankt als bittersüss trefflicher Rahmen die traurige Landschaft.</p>
<p>Die höfliche Kulisse dezent aufmerksamen Beifalls deutet auf ein noch anwesendes Publikum hinter den Absperrungen. Wie lange es der bildnerisch ungelenken Pantomime blinzelnder Jungfernschaft auch weiterhin gelingen mag, dieses traumverlorene Völkchen galant herbeizuwinken, stellen aktuelle kulturkritische Publikationen wie &#8222;Kunst hassen&#8220; und &#8222;Die schrecklichen Kinder der Neuzeit&#8220; geistreich in Frage. Winzig aufperlende, erste Bläschen, mit Unmut und Ärgernis erfüllt, treiben an die opake Oberfläche tumber Dilletanz. Möge es ihnen rasch gelingen diese zu durchstossen.</p>
<p>&#8222;Kunst hassen&#8220;, von Nicole Zepter. 2013, Tropen Verlag / Klett Cotta.<br />
&#8222;Die schrecklichen Kinder der Neuzeit&#8220;, von Peter Sloterdijk. 2014, Suhrkamp Verlag.</p>
<p>Pier Paolo Pasolini / Decameron (Ausschnitt)<br />
<iframe loading="lazy" title="Pasolini - Decameron: Andreuccio (Ninetto Davoli 1 di 2)" width="1080" height="810" src="https://www.youtube.com/embed/8LfDrDSgXZw?feature=oembed"  allow="accelerometer; autoplay; clipboard-write; encrypted-media; gyroscope; picture-in-picture; web-share" allowfullscreen></iframe></p>
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			</item>
		<item>
		<title>Haben und Sein</title>
		<link>https://iir-berlin.com/haben-und-sein/</link>
		
		<dc:creator><![CDATA[Martin Raabenstein]]></dc:creator>
		<pubDate>Tue, 09 Sep 2014 09:23:37 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Allgemein]]></category>
		<category><![CDATA[Archiv 2014]]></category>
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					<description><![CDATA[Haben und Sein. Ware im Web. Jeder hat sie in seinem Schrank, die guten alten Dinge, die man liebt und deren Präsenz sich unmittelbar mit dem eigenen Leben verbindet. Gemeint sind hier alle Hosen, Bücher und möglicherweise der Schrank selbst, die sich schon immer im persönlichen Besitz zu befinden schienen. Im Gegensatz zu allen anderen [&#8230;]]]></description>
										<content:encoded><![CDATA[<p><a href="http://www.no-ones-books.com/wp-content/uploads/konsum.jpg" target="_blank" rel="noopener"><img loading="lazy" decoding="async" class="alignnone wp-image-1337 size-full" src="http://www.no-ones-books.com/wp-content/uploads/konsum.jpg" alt="konsum" width="1600" height="900" /></a></p>
<p>Haben und Sein.<br />
Ware im Web.</p>
<p>Jeder hat sie in seinem Schrank, die guten alten Dinge, die man liebt und deren Präsenz sich unmittelbar mit dem eigenen Leben verbindet. Gemeint sind hier alle Hosen, Bücher und möglicherweise der Schrank selbst, die sich schon immer im persönlichen Besitz zu befinden schienen. Im Gegensatz zu allen anderen Gütern, die saisonbedingt das Ego begleiten und dementsprechend relativ zügig wieder entsorgt werden, haben diese Oldies um ein vielfaches mehr den Duft, die Essenz des Besitzers eingesogen. Obwohl in der Regel schon länger nicht mehr getragen, betrachtet oder angefasst worden, käme deren Verlust einem tieferem Drama gleich, das nur mit dem unerklärlichen Entschwinden des heissgeliebten Kuscheltieres der Kindertage zu vergleichen wäre. Das T-shirt aus Amsterdam oder die Vase von der Ex, diese Gegenstände haben nicht nur eine Gebrauchs- sondern auch eine Erwerbsgeschichte. Die zu stellende Frage lautet also, ob die heute gängige &#8222;Click and Buy&#8220;  Kaufentscheidung zur tiefern Identitätsbildung des Käufers überhaupt beitragen kann, ob nicht durch die räumliche und zeitliche Verkürzung des Vorgangs Ware / Bildschirm / Konsument / Kauf die subtile Schönheit des Erwerbs im Draussen durch den persönlichen Verkauf des Anderen verloren geht und das individuelle, haptische Be-greifen und Wählen des gewünschten Objektes nicht für eine engere Subjekt-Objekt-Bindung notwendig ist.<span id="more-1336"></span></p>
<p>Die Entwicklung des Konsums liest sich in Kurzform so. Schon im 15. Jahrhundert bildet sich der Begriff der Konsumgesellschaft heraus, der sich unter anderem dadurch auszeichnet dass hier nicht nur gekauft wird was man unmittelbar zum Leben braucht, sondern darüberhinaus auch Waren erwirbt, die das Leben schöner und angenehmer machen sollen. Drei Jahrhunderte später emanzipiert sich das Bürgertum und kann mit seiner erstarkten Kaufkraft diesen neuen Reichtum auch nach aussen darstellen. Eine kleine aber nicht zu unterschätzende Änderung des Warenerwerbes tritt dann im 19. Jahrhundert auf, die Preise werden nicht mehr frei verhandelt sondern sind durch den Auftritt der ersten Konsumhäuser nun fest gebunden. Die Industrialisierung zieht neue und stabile Produktions-, Transport- und Handelsstrukturen nach sich. Nach der Globalisierung der Märkte Mitte des letzten Jahrhunderts entwickelt sich in den 80er Jahren ein wahrer Konsumrausch, die Shopping Sucht wird gesellschaftsfähig. Aktuelle Strömung im Kaufverhalten ist die Politisierung des Konsums. Nachhaltigkeit, Umweltverträglichkeit und ein fairer Handel mit den Rohstoffländern rücken in den Fokus der Konsumenten.</p>
<p>In seinem bei Wagenbach erschienenen Werk &#8222;Alles nur Konsum. Kritik der warenästhetischen Erziehung.&#8220; stellt Dr. Wolfgang Ullrich, Professor für Kunstwissenschaft und Medientheorie an der Hochschule für Gestaltung Karlsruhe, eine sehnsuchtsstützende Markenwelt dar, die er in seinem Untertitel mit Schillers &#8222;Briefe über die ästhetische Erziehung des Menschen&#8220; zu verbinden sucht. Im Gegensatz zu Schiller, der in seinen Briefen seine Enttäuschung über den Verlauf der Französischen Revolution zum Ausdruck brachte, und darin unter anderem vertrat, dass man nur über die Schönheit und die Kunst zur Freiheit gelangen kann, will der Karlsruher Professor die Ware selbst zum Kunstgleichen erheben. Wer so zukünftig  seine Freiheit zu erlangen sucht, stellt sich also, so wie auf dem Buchtitel abgebildet, das bevorzugte Produkt neben den Kunstfolianten in das Bücherregal. Am besten alphabetisch geordnet, Pepsi neben Pop Art und H&amp;M neben Hergé. Das kann man schon so machen, der Kaiser freut sich immer über vermeindlich neue Kleider aber die Erforschung des Marktes hat eine weit längere Tradition. Schon seit den 60ern untersuchten amerikanische Unternehmen, wie sich das Selbstbild des Konsumenten im Vergleich zum Image der zu erwerbenden Ware verhält. Hierbei liess sich feststellen dass gerade dieses Selbstbild durch einen Kauf unterstützt, oder noch weiter ausgreifend, der Unterschied zum gewünschten Idealbild der eigenen Person damit abgebaut werden kann. Der Drang zur Selbsterhöhung scheint hier nichts eigentlich Neues zu sein, schon das oben angesprochene Bürgertum des 18. Jahrhunderts war mit ebensolchen Inszenierungen beschäftigt.</p>
<p>Die Mechanismen ähneln sich auf verblüffende Art und Weise. Wiewohl man sich damals dem Adel gleichsetzen wollte, stöbert heute die identitätsdurstige Käuferschaft in den entsprechenden Foren, um es den je nach Orientierung gewählten VIPs gleichzutun. &#8222;Auf den Trend spring ich auf&#8220; oder &#8222;Das hol ich mir&#8220; sind Überschriften zu endlosen Warenstrecken, denen das unerfüllte Ego die dringend notwendige Füllmenge entnehmen kann. Dies kann unter Umständen zu entsprechenden Verzerrungen führen. Dass sich derzeit die Mehrheit der in Hot Pants gezwängten Trägerinnen eher zu einer unglücklichen Persiflage von Hot Dogs verwandeln, scheint das beglückte Ich anscheinend wenig zu bekümmern. Die Vorstellung der erfolgreichen Aneignung übersteigt das reale Bild.</p>
<p>Und damit sind wir noch lange nicht am Ende angelangt. Die gerade in den Medien Wellen schlagenden Google Glasses sind nur der erste Schritt in ein Zukunftsszenario, indem dem Bürger auf Schritt und Tritt individuell auf Kaufverhalten zugeschnittene Werbung präsentiert wird, wie in &#8222;Minority Report&#8220; 2002 vorweggenommen. Diese Vision ist  schon jetzt annähernd Realität in japanischen Zügen, die zwar das Individuum noch nicht als solches erkennen, aber mithilfe von in den Werbeträgern eingebauten Kameras das Gegenüber demografisch grob erfassen, und die entsprechende Message dazu in Verbindung bringen können. Das Ganze kann man noch weiter zuspitzen wie bei einer anderen amerikanischen Produktion &#8222;Surrogates&#8220;.  Hier vegitiert der User auf seiner Datenmatte dahin um im überidealisierten Avatar, direkt mit der Matte verbunden, in der bösen realen Welt draussen individuelle Traumwelten auszuleben.</p>
<p>Kehren wir aber nocheinmal zurück zur eingangs gestellten Frage über die notwendige haptische und sinnliche Notwendigkeit von Konsum. Man wird die angesprochenen Entwicklungen nicht stoppen können. Was der Mensch erst einmal erdacht hat wird umgesetzt. Dass es hierzu wieder Gegenströmungen geben wird ist vorrauszusetzen, denn jede kulurelle Welle hat ihre entgegengesetzte Reaktion. Dennoch, erst wenn es nur noch Onlineshopping gibt werden wir es genauer wissen. Alle diejenigen, die sich dann noch wehmütig an den Wochenmarkt um die Ecke erinnern können, werden dann vorraussichtlich zum Ziel wohlmeinenden Spottes, durchaus damit vergleichbar wie wir heute kopfschüttelnd Kinder beobachten, die verständnislos an einem Telefon mit Wählscheibe versagen. Aus genau dem gegenteiligen Grund.</p>
<p>Wer weiss was er / sie / es will hat mit all dem natürlich nichts zu tun. Ist die Psyche gesättigt und die Erweiterung des Egos durch die Warenwelt unnötig und nur ein dezentes Lächeln wert, wohldenn&#8230; Dann klickt man auf das was man schon hat und kennt. Mehr nicht.</p>
<p>dr. ullrich interview / bayrischer rundfunk<br />
<audio class="wp-audio-shortcode" id="audio-1336-2" preload="none" style="width: 100%;" controls="controls"><source type="audio/mpeg" src="http://cdn-storage.br.de/iLCpbHJGNL9zu6i6NL97bmWH_-bG/_-ZS/_yvf9AFP/4ab608c5-2e42-4d4e-8e33-335d04813219_3.mp3?_=2" /><a href="http://cdn-storage.br.de/iLCpbHJGNL9zu6i6NL97bmWH_-bG/_-ZS/_yvf9AFP/4ab608c5-2e42-4d4e-8e33-335d04813219_3.mp3" target="_blank" rel="noopener">http://cdn-storage.br.de/iLCpbHJGNL9zu6i6NL97bmWH_-bG/_-ZS/_yvf9AFP/4ab608c5-2e42-4d4e-8e33-335d04813219_3.mp3</a></audio></p>
<p>donald in der modernen konsumwelt / 1937<br />
http://www.youtube.com/watch?v=iwipkjdb31o</p>
<p>&#8222;minority report&#8220; trailer<br />
http://www.youtube.com/watch?v=QH-6UImAP7c</p>
<p>&#8222;surrogates&#8220; trailer<br />
<iframe loading="lazy" title="&quot;Surrogates&quot; - Official Trailer [HQ]" width="1080" height="608" src="https://www.youtube.com/embed/UGwQ74cH5O0?feature=oembed"  allow="accelerometer; autoplay; clipboard-write; encrypted-media; gyroscope; picture-in-picture; web-share" allowfullscreen></iframe></p>
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			</item>
		<item>
		<title>Leiden ist scheisse.</title>
		<link>https://iir-berlin.com/leiden-ist-scheisse/</link>
		
		<dc:creator><![CDATA[Martin Raabenstein]]></dc:creator>
		<pubDate>Tue, 09 Sep 2014 09:18:30 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Allgemein]]></category>
		<category><![CDATA[Archiv 2014]]></category>
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					<description><![CDATA[Leiden ist scheisse. Berlins erste Vinylpredigt. Fünfzehn Menschen der gehobeneren Altersklasse sitzen auf Stühlen und Sofas und lauschen. Ein andächtig rhytmisches Kopfnicken hier, ein dezentes Fusswippen dort, Musik läuft. Was ist passiert? Ist man hier der finalen Erkenntnis erlegen dass der faltige Hintern endgültig das Tanzverbot gebietet? Falsch. Haru Specks aka Diethelm Kröhl hält in [&#8230;]]]></description>
										<content:encoded><![CDATA[<p><a href="http://www.no-ones-books.com/wp-content/uploads/vinylpredigt-x.jpg" target="_blank" rel="noopener"><img loading="lazy" decoding="async" class="alignnone wp-image-1333 size-full" src="http://www.no-ones-books.com/wp-content/uploads/vinylpredigt-x.jpg" alt="vinylpredigt-x" width="1600" height="900" /></a><br />
Leiden ist scheisse.<br />
Berlins erste Vinylpredigt.</p>
<p>Fünfzehn Menschen der gehobeneren Altersklasse sitzen auf Stühlen und Sofas und lauschen. Ein andächtig rhytmisches Kopfnicken hier, ein dezentes Fusswippen dort, Musik läuft. Was ist passiert? Ist man hier der finalen Erkenntnis erlegen dass der faltige Hintern endgültig das Tanzverbot gebietet? Falsch. Haru Specks aka Diethelm Kröhl hält in Berlin seine, für die Stadt erste Vinylpredigt. Wer wie ich der Meinung ist dass man durchaus am Sonntagmorgen in die Kirche gehen könnte, so der Mann auf der Kanzel auch etwas zu sagen hätte, der wird hier, nicht nur der Form halber, fündig.</p>
<p>Specks zelebriert seine Predigt zum Thema &#8218;Leiden ist Scheisse&#8216; und unterlegt seine Rede mit dreizehn Hörbeispielen unterschiedlichster Zeiten und Genres.<br />
Schon der erste Beitrag von Napalm Death &#8222;You Suffer (But Why)&#8220; malt der Zuhörerschaft ein Grinsen auf die Lippen, ist dieses musikgeschichtlich rekordverdächtige Stücklein doch nur eine Sekunde lang und wurde im Erscheinungsjahr 1987 von John Peel dutzendfach hintereinander gespielt und abgefeiert. Zu hören ist nur ein knurrender, aufbrummender Gitarrenriff und aus. Specks nimmt nun den Titel des Tracks zum Anlass um sein Thema langsam auszufalten. Er redet über Ängste, Depressionen, nennt Zahlen, Anlässe, lässt Anekdoten einfliessen und wickelt sein Publikum mit gut gesetzter Hintergrundsinformation in eine wohlige Gemeinschaftserfahrung um zum Ende hin bei Revolution und Gegenwehr zu enden.<span id="more-1332"></span></p>
<p>Das ihm dies so einfach gelingt ist umsomehr erstaunlich, da die angespielten Stücke aüsserst gängige Gassenhauer sind. Radiohead, Walker Brothers und Curtis Mayfield werden in einem grösseren Zusammenhang vorgestellt. Bekanntes neu erfahrbar zu machen ist jetzt nicht Specks eigene Erfindung, dennoch errobert er in seiner breiten Spanne zwischen bübisch schüchternem Verhaspeln und vollmundiger Behauptung seine Gemeinde ohne Gegenwehr.</p>
<p>Jetzt könnte man natürlich relativ einfach unterstellen, hier tratschen nur Nerd und Nerd über ihre Schätzchen, was solls? Zugegebenermassen hätte ein anwesender Jüngerer mit dem Angesprochenen möglicherweise Schwierigkeiten, aus mangelnder Fachkenntniss heraus dem Fluss nicht folgen könnend oder einfach weil er die Musik nicht mag. Dies ist aber nur eine These und liesse sich schnell widerlegen, denn auch der Mann aus dem Häuschen mit dem Kreuz drauf arbeitet mit Beispielen die nicht notwendigerweise allen Anwesenden zu eigen sind. Auch der Pfarrer sucht die Gelegenheit seine Herde unter höheren Zusammenhängen zu einen, spricht Probleme an und bietet vermeindlich sinnfällige Lösungen. Zwischendurch lässt er sie gemeinsam singen (was bei Specks Predigt Gott sei Dank nicht der Fall war), und bittet zum Schluss um eine Kollekte. Ein Hut wurde auch bei dieser Veranstaltung gereicht, für Specks eher ein ungewöhnlicher Fall da er für seihe Reihe normalerweise Geld verlangt &#8211; denn, so der Prediger: &#8222;Wenn man für etwas bezahlt, hört man auch zu&#8220;. Dies Wort in Gottes Gehör. Wer nicht dabei war hat was Neues verpasst. Amen.</p>
<p>Der aus Süddeutschland stammende und schon seit längerem in Düsseldorf arbeitende Haru Specks hat sich in seiner Wahlheimatstadt schon seit Jahren einen Namen als Dj gemacht. 2012 war er als lebende Jukebox in aller Munde, im letzten Jahr mehrte er seinen Ruhm mit seinen Vinylpredigten zu so illustren Themen wie &#8222;Prometheus. Die Götter sind gierig&#8220;, &#8222;Energie. Die Illusion der ständigen Beschleunigung&#8220; oder &#8222;I want to be a machine&#8220; . Haru Specks nennt sich Schallplattenaufleger und tritt in Galerien, Plattenläden und Retaurants auf. Das ist nicht nur intelligent, das ist gut.</p>
<p>Pop, Riemannstrasse 5, 05.04.2014<br />
Zum Thema &#8222;Leiden ist scheisse&#8220; waren zu hören:</p>
<p>Napalm Death &#8211; You Suffer (But Why)<br />
Blumfeld &#8211; Testament Der Angst<br />
Radiohead &#8211; How To Disappear Completely<br />
Nina Simone &#8211; Ain&#8217;t Got No / I Got Life<br />
Walker Brothers &#8211; The Sun Ain&#8217;t Gonna Shine Anymore<br />
Flaming Lips &#8211; Mr. Ambulance Driver<br />
Lambchop &#8211; Up With People<br />
American Music Club &#8211; Ladies And Gentlemen<br />
Curtis Mayfield (Don&#8217;t Worry) If There&#8217;s A Hell Below We&#8217;re All Going To Go<br />
Gil Scott-Heron &#8211; The Revolution Will Not Be Televised<br />
Sly &amp; The Family Stone &#8211; There&#8217;s A Riot Going On<br />
Tears For Fears &#8211; Sowing The Seeds Of Love<br />
Marvin Gaye &#8211; What&#8217;s Going On</p>
<p>haruspecks<br />
http://vinylpredigt.wordpress.com/vinylpredigt-manifest/</p>
]]></content:encoded>
					
		
		
			</item>
		<item>
		<title>Guter Mond du scheinst so helle.</title>
		<link>https://iir-berlin.com/guter-mond-du-scheinst-so-helle/</link>
		
		<dc:creator><![CDATA[Martin Raabenstein]]></dc:creator>
		<pubDate>Tue, 09 Sep 2014 09:13:22 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Allgemein]]></category>
		<category><![CDATA[Archiv 2014]]></category>
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					<description><![CDATA[Guter Mond du scheinst so helle. Unserem Nachbarn zum 45. Jubiläum der Ersteroberung. Am 21. Juli 1969 koordinierter Weltzeit betrat der erste Mensch den Mond. Während Neil Alden Armstrongs zaghaft auf dessen Oberfläche tapstet, raste sein historischer Ausspruch  &#8222;Das ist ein kleiner Schritt für den Menschen&#8230; ein riesiger Sprung für die Menschheit&#8220; mehrfach um die [&#8230;]]]></description>
										<content:encoded><![CDATA[<p><a href="http://www.no-ones-books.com/wp-content/uploads/auf-zum-mond.jpg" target="_blank" rel="noopener"><img loading="lazy" decoding="async" class="alignnone wp-image-1330 size-full" src="http://www.no-ones-books.com/wp-content/uploads/auf-zum-mond.jpg" alt="auf zum mond" width="1600" height="900" /></a></p>
<p>Guter Mond du scheinst so helle.<br />
Unserem Nachbarn zum 45. Jubiläum der Ersteroberung.</p>
<p>Am 21. Juli 1969 koordinierter Weltzeit betrat der erste Mensch den Mond. Während Neil Alden Armstrongs zaghaft auf dessen Oberfläche tapstet, raste sein historischer Ausspruch  &#8222;Das ist ein kleiner Schritt für den Menschen&#8230; ein riesiger Sprung für die Menschheit&#8220; mehrfach um die Welt.</p>
<p>Grosses war geschehen und für noch Grösseres schien der Anfang gelegt. Die Amerikaner hatten mit diesem Schritt im wörtlichen Sinne ihren Wettlauf mit den Russen gewonnen. Am Anfang dieses Kontests stand ein jäher Schock. Mitten im Kalten Krieg mit der Sowjetunion war ein kleines, 58 Zentimeter messendes Stück Metall in der Erdumlaufbahn den USA derb in die verängstigten Knochen gefahren. Während das &#8222;Komitee für unamerikanische Umtriebe&#8220; unter Senator Joseph McCarthy gerade erfolgreich den im eigenen Land umtriebigen echten oder vermeindlichen Kommunisten schwer den roten Pelz angezündet hatte, umrundete der von der UDSSR 1957 gestartete Satellit  &#8222;Sputnik 1&#8220; in ruhigen Bahnen den Planeten. Die dadurch ausgelöste Krise um den Verlust der selbstauerlegten Vormachtstellung über den Rivalen fand ihren krönenden Abschluss in der geglückten ersten Mondlandung mit Apollo 11 zwölf Jahre später.<span id="more-1328"></span></p>
<p>Eine Nation hatte ihre gesammelten Kräfte zusammengezogen (1) und, damit dies auch nicht unbeobachtet blieb, die Welt dazu verführt sich mit unförmigen, quäkenden Schwarzweiss-Fernsehern zu bestücken, auf denen man diesen Triumph staunend mitverfolgen durfte. 45 Jahre später sind diese Geräte noch immer platzraubender Mittelpunkt des heimischen Wohnzimmers, die sinnstiftende, kaufanreizende Sensation auf dem Mond hingegen begann unmittelbar danach ihren traurig trudelnden, langsamen Fall zurück zur Erde.</p>
<p>Schon ein Jahr nach dem zukunftsschwangeren Ereignis waren Schritte auf dem Mond keine Titelgeschichte mehr. Die sensationslüsterne Weltgemeinde belegte die Apollo 13 Mission nur wegen der Explosion eines Sauerstofftankes mit Aufmerksamkeit. Die Katastrophe führte zum Abbruch der Landung auf dem Trabanten, als Folge konnte die lebensgefährdete Mannschaft nur unter Mühen wieder unbeschadet nach Hause geleitet werden. (2) 1972 wurde das Programm aus Kostengründen dann ganz eingestellt. Der Beginn einer neuen Ära war ein Rohrkrepierer. Man hatte zwar bewiesen wozu man technologisch (und auch ideologisch) in der Lage war, der Tat aber keine weiteren zielführenden Argumente beigelegt. Hehre Ideen wie die Besiedelung des Mondes oder gar die bemannte Erforschung des Weltall schrumpfte zurück auf das, was es vermeindlich schon immer nur gewesen war &#8211; die spinnerten Ideen unterhaltsamer Science-Fiction Autoren.</p>
<p>Der Weltraum und seine unendlichen Weiten verblieben genau dort &#8211; im All des abendlichen TV-Serienformates. Unten auf der Erde blickte man lieber verschärft geradeaus als nach oben. Die marodierende studentische Jugend zu Beginn des Mondprogrammes hatte so gar keine Freude an der strahlenden Schönheit startender Weltraumvehikel. Man bekümmerte sich eher um soziale Ungerechtigkeiten und wenn Raketen zum Thema gerieten, verdammte man marschierend deren Einsatz in Vietnam. Der Protest der darauf folgenden Generation war zwar nicht weniger laut, hatte aber seine Vision in der Gesellschaft verloren. Der mittsiebziger apolitische &#8222;No Future&#8220;  Sympathisant unter selbstgenügsamer Protestfrisur hatte  für den Wandel vom &#8222;Star Trek&#8220; Fernsehkult zur breitwandigen &#8222;Star Wars&#8220; Kino Saga nur noch sicherheitsnadelbehafteten Zweifel. Eine glorreiche, beherzte Zukunft im Universum war zum kindlichen Spielzeugtraum verkommen.</p>
<p>Schon fünf Jahre nach Beendigung der ehemals erhebendsten Herausforderung der Menschheit wurde im Kino die Mondlandung als Fakt in Frage gestellt. Der enstprechende Film zum grössten Bluff der Geschichte &#8222;Capricorn One&#8220; (3) war 1977 der erfolgreichste Independent Film, inspiriert von zahlreichen Verschwörungstheorien, die einfach nicht glauben wollten dass zwölf Männlein dem Trabanten ihre Spuren aufgedrückt hatten. Die Gemeinde der spitzfindigen Detailpopler lässt seitdem kein aufgewirbeltes Stäubchen auf Zelluloid unbeobachtet (4) um die vermeindliche Schummelei aufzudecken. Zwischen 6 &#8211; 20% der amerikanischen Bevölkerung sind in dieser Sache ebenfalls ungläubig. Selbst neuerlich erstellte und veröffentliche Photos der im Mondstaub zurückgelassenen Objekte und Fussabdrücke der Astronauten ändern daran nichts.</p>
<p>Es scheint als gehöre der Mann im Raumanzug einfach nur ins Museum. Unbemannte Maschinen sondieren die Grenzen unseres Sonnensystems oder dürfen mit ihren dürren, metallischen Ärmchen auf der Marsoberfläche kratzen. Es kursieren viele schöne bunte Bildchen über mögliche kommende Expeditionen dorthin. Die gibt es schon seit einigen Jahrzehnten und mal ganz ehrlich, die sahen in den 50ern so viel mehr nach Zukunft aus.</p>
<p>Armstrong wollte mit seinem Spruch den Sprung in die Wolken feiern, dass die unwillige Realität seiner Vision nur eine knarzige Landung auf hartem  Grund gestatten mag nimmt seinem Glanz dennoch wenig.</p>
<p>(1) the right stuff (1983) movie trailer<br />
<iframe loading="lazy" title="The Right Stuff Trailer" width="1080" height="810" src="https://www.youtube.com/embed/QuR1p7UdI2Y?feature=oembed"  allow="accelerometer; autoplay; clipboard-write; encrypted-media; gyroscope; picture-in-picture; web-share" allowfullscreen></iframe></p>
<p>(2) apollo 13 (1995) movie trailer<br />
<iframe loading="lazy" title="Apollo 13 Official Trailer #1 - Tom Hanks Movie (1995) HD" width="1080" height="608" src="https://www.youtube.com/embed/KtEIMC58sZo?feature=oembed"  allow="accelerometer; autoplay; clipboard-write; encrypted-media; gyroscope; picture-in-picture; web-share" allowfullscreen></iframe></p>
<p>(3) capricorn one (1977) movie trailer<br />
http://www.youtube.com/watch?v=zoZ2AySW2bY</p>
<p>(4) moond landing vs scientific evidence<br />
<iframe loading="lazy" title="Moon Landing 1969 vs Scientific Evidence" width="1080" height="810" src="https://www.youtube.com/embed/H8ZzFemBUJQ?feature=oembed"  allow="accelerometer; autoplay; clipboard-write; encrypted-media; gyroscope; picture-in-picture; web-share" allowfullscreen></iframe></p>
]]></content:encoded>
					
		
		
			</item>
		<item>
		<title>&#8222;Erfahrung wird durch Fleiss und Müh&#8216; erlangt und durch den raschen Lauf der Zeit gereift.&#8220;</title>
		<link>https://iir-berlin.com/erfahrung-wird-durch-fleiss-und-mueh-erlangt-und-durch-den-raschen-lauf-der-zeit-gereift/</link>
		
		<dc:creator><![CDATA[Martin Raabenstein]]></dc:creator>
		<pubDate>Tue, 09 Sep 2014 09:07:45 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Allgemein]]></category>
		<category><![CDATA[Archiv 2014]]></category>
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					<description><![CDATA[&#8222;Erfahrung wird durch Fleiss und Müh&#8216; erlangt und durch den raschen Lauf der Zeit gereift.&#8220; William Shakespeare und Madlib als &#8222;best buddies&#8220;? Warum nicht? Wir gratulieren auf jeden Fall schon mal&#8230; Der unsterbliche Gigant wird heute 450 Jahre alt. Daß er nun wirklich gelebt hat ist unbestritten. Über die Urheberschaft seiner bis heute aufgeführten und [&#8230;]]]></description>
										<content:encoded><![CDATA[<p><a href="http://www.no-ones-books.com/wp-content/uploads/madpeare_s.jpg" target="_blank" rel="noopener"><img loading="lazy" decoding="async" class="alignnone wp-image-1326 size-full" src="http://www.no-ones-books.com/wp-content/uploads/madpeare_s.jpg" alt="madpeare_s" width="1600" height="533" /></a></p>
<p>&#8222;Erfahrung wird durch Fleiss und Müh&#8216; erlangt und durch den raschen Lauf der Zeit gereift.&#8220; William Shakespeare und Madlib als &#8222;best buddies&#8220;? Warum nicht? Wir gratulieren auf jeden Fall schon mal&#8230;</p>
<p>Der unsterbliche Gigant wird heute 450 Jahre alt. Daß er nun wirklich gelebt hat ist unbestritten. Über die Urheberschaft seiner bis heute aufgeführten und verfilmten Werke hingegen rauft sich die Forschung eifrig das Haupthaar. Die 2011er Verfilmung dieser nicht ganz unerheblichen Frage, Roland Emmerich hat hier mal keinen langweiligen Blockbuster hingelegt, bezieht sich hier eindeutig auf die Oxford-Theorie, wonach der 17. Earl of Oxford, Edward de Vere der eigentliche Verfasser der Dramen und Sonette sei, die unter Shakespeares Namen erschienen. Grund zur Infragestellung Shakespeares schrifstellerischen Schaffens gibt dessen geringe Bildung. Man geht davon aus daß ein Besuch der Grammar School in Stratford-upon-Avon nicht die Basis für ein derartiges Wissen bieten kann, das für die Erschaffung eines solch enormen Werkes wohl benötigt wird. Vor uns hampelt also eine agile Rampensau rum, der man die Stücke nur untergeschoben hat, aus welchen Gründen auch immer.<span id="more-1324"></span></p>
<p>Abgesehen von der schlussendlichen Auflösung dieses Rätsels ist die heutige Relevanz des Werkes spannend &#8211; was will der Mann? Und warum ist er noch so wichtig? Shakespeares durch alle Arbeiten greifende Frage ist die nach dem Zustand des Menschen und wie er sich entwickelt. Ob als Komödie oder als Drama, seine Akteure durchlaufen immer einen Prozess der Erkentnis und Erfahrung, im oben erwähnten Zitat aus seinem Werk &#8222;Die beiden Veroneser&#8220; bringt er damit Reifung durch Zeit in Verbindung. Daß man diesen Wachstumsprozess heutzutage nicht mehr als grundsätzlich notwendig betrachtet, nimmt der Multimedia Producer Adam Westbrook zum Thema für einen unterhaltsamen und smart gestalteten Videoessay-Zweiteiler, in dem Willi auch prompt als Beispiel auftaucht.<br />
Westbrook beschäftigt die Frage, warum man im schnelllebigen &#8222;Jetzt&#8220; Entäuschungen und Niederlagen bei der breitmauligen Nacherzählung von Erfolgsstories so gerne unter den Tisch fallen lässt. Er zeigt eindringliche Beispiele, warum diese schwierigen Jahre für neue Errungenschaften, Erfindungen und deren Weiterentwicklung so essentiel sind und wie sie den Schaffungsprozess beflügeln.</p>
<p>Alles Banane soweit? Nehmen wir den &#8222;Stone Thow&#8220;Veteranen Madlib als Beispiel. Vom Vice Magazin nach einer schnellen Nummer befragt, legt dieser in einem Tokyoter Studio pfiffig den Beweis hin, daß zumindest er das sehr fix kann. Liegt es daran, daß seine Zauberfinger intergalaktische Signale empfangen? Wohl kaum. Madlib macht das nicht zum ersten Mal. Man wird auf seinen Festplatten vermutlich hunderte von Tunes vorfinden, die einfach nicht taugen, an denen er aber gelernt und Dinge begriffen hat. Was will uns das jetzt sagen? Weitermachen, das wird schon, denn vielleicht ist es ja doch möglich aus so einem englischen Provinzstall zu kommen und derart Grosses zu schaffen, das man Jahrhunderte später noch für Wichtig erachtet. Seis drum. Happy birthday William!</p>
<p>Adam Westbrook<br />
<iframe loading="lazy" title="The Long Game Part 1: Why Leonardo DaVinci was once a loser" src="https://player.vimeo.com/video/84022735?dnt=1&amp;app_id=122963" width="1080" height="608" frameborder="0" allow="autoplay; fullscreen; picture-in-picture"></iframe><br />
<iframe loading="lazy" title="The Long Game Part 2: the missing chapter" src="https://player.vimeo.com/video/87448006?dnt=1&amp;app_id=122963" width="1080" height="608" frameborder="0" allow="autoplay; fullscreen; picture-in-picture"></iframe></p>
<p>Madlib<br />
<iframe loading="lazy" title="Madlib Makes a Beat w/ Sony&#039;s MVR - LA to Tokyo" width="1080" height="608" src="https://www.youtube.com/embed/dMmXRGWzsIA?start=93&#038;feature=oembed"  allow="accelerometer; autoplay; clipboard-write; encrypted-media; gyroscope; picture-in-picture; web-share" allowfullscreen></iframe></p>
]]></content:encoded>
					
		
		
			</item>
		<item>
		<title>Bleib auf dem Teppich&#8230;</title>
		<link>https://iir-berlin.com/bleib-auf-dem-teppich/</link>
					<comments>https://iir-berlin.com/bleib-auf-dem-teppich/#respond</comments>
		
		<dc:creator><![CDATA[Martin Raabenstein]]></dc:creator>
		<pubDate>Tue, 09 Sep 2014 08:55:51 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Allgemein]]></category>
		<category><![CDATA[Archiv 2014]]></category>
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					<description><![CDATA[Bleib auf dem Teppich&#8230; &#8230;wenn du einen hast. Sich an einem Werk von Richard Prince, Jürgen Teller oder Anselm Reyle zu ergötzen ist das Eine. Mit dem HIntern an einem Solchen reiben zu dürfen ist etwas anderes und auch um ein Vielfaches günstiger. Es ist Äonen her dass man bei einer geschmackvollen Wohnungseinrichtung die Auslegeware [&#8230;]]]></description>
										<content:encoded><![CDATA[<p><a href="http://www.no-ones-books.com/wp-content/uploads/calle-henzel-studio-helmut-lang-rug.jpg" target="_blank" rel="noopener"><img loading="lazy" decoding="async" class="alignnone wp-image-1322 size-full" src="http://www.no-ones-books.com/wp-content/uploads/calle-henzel-studio-helmut-lang-rug.jpg" alt="calle-henzel-studio-helmut-lang-rug" width="1000" height="1000" /></a></p>
<p>Bleib auf dem Teppich&#8230;<br />
&#8230;wenn du einen hast.</p>
<p>Sich an einem Werk von Richard Prince, Jürgen Teller oder Anselm Reyle zu ergötzen ist das Eine. Mit dem HIntern an einem Solchen reiben zu dürfen ist etwas anderes und auch um ein Vielfaches günstiger.</p>
<p>Es ist Äonen her dass man bei einer geschmackvollen Wohnungseinrichtung die Auslegeware unter die Design Klassiker spannte. Seit den frühen Achzigern, wenn Alt aus- und Jung einzogen, nervten die Schleifmaschinen tagelang die Nachbarschaft und die blanke Holzdiele bot, geölt, lackiert oder bei den Mutigen roh belassen, nur kargen Anlass zum Sichniederlassen.</p>
<p>Die Teppichläden scheinen in letzter Zeit wieder einen zweiten Blick wert zu sein, woran neue Produktionstechniken und Oberflächenstrukturen einen wichtigen Anteil haben. Neue Ware hat ihren Preis, sodass selbst Teppiche die sich in ihrem meisterlich gestalteten Vintagelook vor der Kundschaft ausbreiten, mächtig am Gesparten zerren, da handrasiert, gefärbt, nochmals fein nachgeschnitten oder was der Kreativität sonst noch alles aus der ekstatischen Hirnrinde sugeriert wird. So kann man schnell den Eindruck erhalten man habe ein Originalexemplar aus der Gründertagen des KaDeWe vor sich, das in der Eingangshalle tunlichst mit Füssen getreten nun in die Privatwohnung statt ins Museum verlegt wird.</p>
<p>Die schwedischen Henzel Studios unter ihrem Chef Calle Henzel bieten im Gegensatz dazu mit &#8222;Volume #1&#8220; aussergewöhnliche Kollaborationen an, auf denen man seinem exquisiten Kunstsinn freien Lauf lassen kann.  Helmut Lang, Jack Pierson, Marylin Minter und noch eine ganze Stange renomierter Granden der zeitgenössischen Szene liefern wohlfeile Vorlagen, bei denen man sich im weit gespreizten Feld zwischen sehr geschmackvoll bis sehr geschmacklos ganz al gusto bedienen kann. So trifft die gezierte Selbstinszenierung des Artists auf die des Käufers, &#8222;Auf den Poden, Pursche!!!&#8220; wussten Monthy Python hierzu schon in weiser Vorraussicht zu säuseln.</p>
<p>http://byhenzel.com/</p>
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			</item>
		<item>
		<title>Von der frivolen Erhabenheit des Banalen</title>
		<link>https://iir-berlin.com/von-der-frivolen-erhabenheit-des-banalen/</link>
		
		<dc:creator><![CDATA[Martin Raabenstein]]></dc:creator>
		<pubDate>Tue, 09 Sep 2014 08:48:50 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Allgemein]]></category>
		<category><![CDATA[Archiv 2014]]></category>
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					<description><![CDATA[Von der frivolen Erhabenheit des Banalen. Der Held und sein Weg. Wenn das Krokodil kommt, schreien die Kinder. Immer. Kasperles Ignoranz ist der ultimative Garant für brüllende Massenhysterie. Er muss sich einfach dumm stellen, kann nicht anders als in die falsche Richtung schauen. Das nennt man geschickt inszenierten Spannungsaufbau und lässt die Zuschauerschaft von sprachlosem [&#8230;]]]></description>
										<content:encoded><![CDATA[<p><a href="http://www.no-ones-books.com/wp-content/uploads/schweini_pix.jpg" target="_blank" rel="noopener"><img loading="lazy" decoding="async" class="alignnone wp-image-1316 size-full" src="http://www.no-ones-books.com/wp-content/uploads/schweini_pix.jpg" alt="schweini_pix" width="1600" height="900" /></a>Von der frivolen Erhabenheit des Banalen.<br />
Der Held und sein Weg.</p>
<p>Wenn das Krokodil kommt, schreien die Kinder. Immer. Kasperles Ignoranz ist der ultimative Garant für brüllende Massenhysterie. Er muss sich einfach dumm stellen, kann nicht anders als in die falsche Richtung schauen. Das nennt man geschickt inszenierten Spannungsaufbau und lässt die Zuschauerschaft von sprachlosem Verharren in hellste Aufgegung taumeln. Aber der Held wird gewinnen, das ist die Regel. Immer. Dass seine Klatsche zufälligerweise dem Maul des Krokodils in der Form sehr ähnelt muss nicht auffallen. Das ist schlussendlich egal, denn diese beisst nicht und ist nur das schlagende Instrument seiner Rache. Ohne diese Klatsche ist er hilflos.</p>
<p>Die Figur des Kasperle hat eine lange Tradition, ihre Spur lässt sich zurück bis ins 17. Jahrhundert verfolgen. Seine europäischen Kollegen heissen Punch, Guignol oder Pulcinella und kämpfen wie er gegen die in die Kinderwelt übertragene Unwegbarkeit der Welt. Es wird geschubst, gerangelt und geheult. Alles Elend der Existenz findet hier seine Paralelle zum kreischenden Schäufelchenhandgemenge des heimischen Sandkastens. Auch das Männchen mit der Mütze muss sich unentwegt behaupten, und weil er selbst die wagemutigsten Abenteur mit kindgleichem Ungestüm und forschen Sprüchen zu meistern weiss, identifiziert sich seine kleinwüchsige Zuschauerschft umgehend und endgültig mit ihm.<span id="more-6652"></span></p>
<p>Die Faszination am Kinderhelden findet in der Geschichte selbstverständlich umgehend eifrige Nachfolger. Nur in Einem unterscheiden sie sich grundlegend von ihrem Original &#8211; sie sind nicht mehr der schlagende und ungeschlagene Sieger. Ob man hier die zu Körnern vermahlenen Wilhelm Busch Bösbuben &#8222;Max und Moritz&#8220; heranzieht, den permanent in psychedelischen Magenverstimmungen erliegenden &#8222;Little Nemo&#8220; von Winsor McCay oder Donald Duck, der, mittlerweile achtzigjährig aber nichtsdestotrotz oder vielleicht gerade deshalb, tolpatschig zischelnde Seemannsanzugsträger. Alle müssen wahrlich um ihren Sieg ringen oder sind, wie die Buschjungens, am Ende gar tot &#8211; trotz spielerischer Überlegenheit.</p>
<p>Den meisten gelingt es an der Schwelle zum mühevollen Erwachsenwerden leider nicht die Begeisterung für diese Kleinheroen fortzuführen. Wie im Jahr 2000 stirnrunzelnd vom Spiegel aufgedeckt, füllten donaldistisch unterwanderte FAZ Redakteure deren streng klassisch gehaltene Artikelüberschriften mit direkten Zitaten aus den Sprechblasen ihrer favorisierten Entensaga. &#8222;Hört sich an wie nahes Donnergrollen&#8220; könnte durchaus mit dem amerikanischen Unabhängigkeitstag in Verbindung gebracht werden, stammt aber im Original aus der Feder der deutschen Carl Barks Übersetzerin Erika Fuchs und inszeniert frohlockend der Panzerknacker nahender Goldfluss. Nach der Entdeckung dieser schnöden Schurkentat blieb der schockierten Republik eine kleine Weile der Mund offen stehen.</p>
<p>Wer für solcherlei Spitzbübereien keine Gesichtsregung zu bieten hat, muss, in steigendem Masse an Muskelschwund und Bauchrundung zehrend, nun im wahren Leben stehend, auch seine Vorbilder ins gereifte Alter ziehen. Seit der Antike stehen alle grosswüchsigen Helden in einer Reihe hinter ihrem Original, DEM Odysseus. Von Homer in dessen beiden Epen &#8222;Ilias&#8220; und &#8222;Odyssee&#8220; besungen, ist dieser das an Dramen, Kriegen und Irrfahrten wohlgesättigte Blueprint. Auf über 800 Seiten legt der bärtige Grieche den tödlichen Bogen vor, den es in den kommenden drei Jahrtausenden zu meistern gilt.</p>
<p>Den &#8222;Indiana Jones'&#8220; und &#8222;Die Hards&#8220; der Neuzeit bleibt in ihren neunzigminütigen Torturen und deren unmerklich veränderten Neuauflagen wenig erspart. Getreten und geschunden, gefallen und wieder auferstanden, egal, der blutende Held blickt am Ende immer in den ruhmverheissenden Kelch der Geschichte. Das Blut ist unabdingbar, denn es scheint der einzig gültige Beweis für die Mühen des Weges zu sein. Das gilt sowohl für Bruce Willis als auch für Bastian Schweinsteiger. Ohne diese Klatsche ist diesmal der Zuschauer hilflos, ohne dieses vermeindlich körperliche Mitfühlen wüsste er unter Umständen gar nicht, was er soeben miterlitten hat. Kinder, KInder&#8230;</p>
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		<title>Yair Elazar Glotman</title>
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		<pubDate>Tue, 15 Apr 2014 09:45:53 +0000</pubDate>
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					<description><![CDATA[Yair Elazar Glotman. Northern Gulfs. Glacial Movements. Hätte Brian Eno sein 1978er Album nicht &#8222;Music For Films&#8220; genannt, vielleicht wäre dieser schwierig zu handhabende und schwammige Begriff &#8222;Cinematographic Music&#8220; nie als Pseudogenre durch die Gassen geirrt. Dabei rumpeln auf sehr unscharfe Weise Musik, Sprache und Bild zusammen, hinzu kommt noch dass sich die Filmindustrie lieber [&#8230;]]]></description>
										<content:encoded><![CDATA[<p>Yair Elazar Glotman.<br />
Northern Gulfs.<br />
Glacial Movements.</p>
<p><a href="http://www.no-ones-books.com/wp-content/uploads/glotman.jpg" target="_blank" rel="noopener"><img loading="lazy" decoding="async" class="alignleft size-medium wp-image-1310" alt="glotman" src="http://www.no-ones-books.com/wp-content/uploads/glotman-300x300.jpg" width="300" height="300" /></a>Hätte Brian Eno sein 1978er Album nicht &#8222;Music For Films&#8220; genannt, vielleicht wäre dieser schwierig zu handhabende und schwammige Begriff &#8222;Cinematographic Music&#8220; nie als Pseudogenre durch die Gassen geirrt. Dabei rumpeln auf sehr unscharfe Weise Musik, Sprache und Bild zusammen, hinzu kommt noch dass sich die Filmindustrie lieber mit Standartwerklern wie Herren Zimmer in die Köpfe des Publikums hämmert, als sich einer wirklich intelligenten und starken Musik zu bedienen, wie sie hier von Yair Elazar Glotman vorliegt. &#8222;Northern Gulfs&#8220; ist &#8222;Ideal Score&#8220; um es mal mit einem anderen Aufkleber zu probieren, die sieben Tracks darauf produzieren ein nicht alzu dunkles aber durchaus angebrochenes Stückchen Kino im Schädel. Das italienische Imprint Glacial Movements unter Alessandro Tedeschi hat schon einige namhafte Artists wie Celer, Pjusk und Loscil unterm Schirm, Glotman ist da ein wunderbarer Neuzugang.</p>
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		<title>Teebs</title>
		<link>https://iir-berlin.com/teebs-3/</link>
		
		<dc:creator><![CDATA[Martin Raabenstein]]></dc:creator>
		<pubDate>Tue, 15 Apr 2014 09:43:15 +0000</pubDate>
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		<category><![CDATA[Archiv 2014]]></category>
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					<description><![CDATA[Teebs. E S T A R A. Brainfeeder. Mtendere Mandowa aka Teebs kann mit seinem zweiten Longplayer &#8222;E S T A R A&#8220; für Brainfeeder dem 2010er Vorgänger &#8222;Ardour&#8220; mit Leichtigkeit einen obendrauf setzen, die fluffige Verspieltheit seiner Instrumental Hip-Hop Produktionen lässt ihn weiterhin zum entspanntesten Aushängeschild des Labels freudig in der Sonne strahlen. &#8222;Estar&#8220; [&#8230;]]]></description>
										<content:encoded><![CDATA[<p>Teebs.<br />
E S T A R A.<br />
Brainfeeder.</p>
<p><a href="http://www.no-ones-books.com/wp-content/uploads/teebs2.jpg" target="_blank" rel="noopener"><img loading="lazy" decoding="async" class="alignleft size-medium wp-image-1307" alt="teebs" src="http://www.no-ones-books.com/wp-content/uploads/teebs2-300x300.jpg" width="300" height="300" /></a>Mtendere Mandowa aka Teebs kann mit seinem zweiten Longplayer &#8222;E S T A R A&#8220; für Brainfeeder dem 2010er Vorgänger &#8222;Ardour&#8220; mit Leichtigkeit einen obendrauf setzen, die fluffige Verspieltheit seiner Instrumental Hip-Hop Produktionen lässt ihn weiterhin zum entspanntesten Aushängeschild des Labels freudig in der Sonne strahlen. &#8222;Estar&#8220; meint auf Spanisch einfach nur &#8222;Sein&#8220;, besser, einfacher kann man das Album gar nicht beschreiben. Teebs ist auch gleichzeitig Maler, seine Arbeiten zieren auf allen seinen Releasen die Cover und es ist zu vermuten dass der Producer hier tief aus der Kreativität eines begleitenden Mediums Ruhe und Gleichmut schöpfen kann. Die Vorstellung dass er Prefuse 73, Lars Hornveth, Jonti und Populous, die hier auf dem Album mitschwingen dürfen, ebenfalls dazu inspirieren konnte zukünftig den Pinsel auf der Leinwand zu verstreichen macht schmunzeln. Das wird man dann ja, ganz wörtlich, sehen können.</p>
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