daniel hölzl
grounded, 2022
installation
while the others are dancing,
martin eugen raabenstein’s
sensor spotlight focuses on:
© daniel hölzl
the belgian panamarenko chooses part of his pseudonym after the american airline pan am and spends an entire artistic lifetime tinkering with wondrous flying machines. in his 1985 installation the man who flew into space from his apartment, ilya kabakov shows us how to construct a catapult from coil springs, and daniel hölzl, too, is writing a chapter about the dream of flying. what they all share is failure and an uncertain, individually mixed state of confidence and obvious doubt. while panamarenko still proudly presents his zeppelin-like sculpture the aeromodeller as a flyable object at documenta 5, it is the resonating childish defiance of “and now even more so” that softens the audience’s heart. kabakov already pulls at longer registers, and the smiling grin twists into a furrowed-brow sigh over the endless confusions of the mind. in hölzl’s 2022 installation grounded, the grandfatherly fascination of both ancestors devoted to aviation still quietly breathes along and, in its fine blending with the artistic fragmentation of the grandson, forms an anecdotal framework.
hölzl’s work unfolds across two floors at the berlin gallery dittrich & schlechtriem, and in all the details of the brilliantly staged objects those very mental fissures appear that cannot immediately be interpreted as lamenting or accusatory. we look into the skeleton of a da42-vi aircraft reduced to its basic structure, without wings, windows, or any other details, and we encounter four tires of an airbus a300, one of which, recast in wax, quietly melts away. a floor installation as well as works on the walls partly refer true to scale to the closed tempelhof airport, and a slight sense of melancholy wafts over from the former national socialist grand project of the skies. precisely this mental suspension forms the fascination of the installation, and indecision accompanies a regret over the perpetual misuse of technological innovation. without the aviation industry of the second world war there would be no subsequently flourishing american architectural scene, but also no space travel without the help of former ns technicians.
with this ambivalence, other artists also seek to trace the tragic connection between two different but equally interdependent sides of the same coin. while hölzl stages transience with materials such as recycled carbon fibers and paraffin, anselm kiefer uses the weight of lead, from which he forms airplanes as historical burdens and carriers of war and destruction. both engage very differently with form and function and thereby reveal the symbolic content they each choose, and roman signer, too, strips the device of its heroic aura by sometimes turning the aircraft into a toy or simply into a stubborn apparatus. it seems almost astonishing that somewhere behind all this physical questioning, whether humorously, melancholically, or threateningly wrapped, the original object rising into the air still remains immaterial and untouched on the horizon, even when the condensation trails have long since disappeared and the child’s hand retraces their imagined flight path.
iir, february 2026
Der Belgier Panamarenko wählt einen Teil seines Pseudonyms nach der amerikanischen Fluglinie Pan Am und bastelt ein Künstlerleben lang an wundersamen Flugapparaturen. Ilya Kabakov zeigt uns in seiner 1985er Installation Der Mann, der von seiner Wohnung aus in den Weltraum fliegt wie man ein Katapult aus Sprungfedern konstruiert, und auch Daniel Hölzl schreibt an einem Kapitel über den Traum vom Fliegen. Allen gemeinsam ist das Scheitern und eine ungewiss individuelle Gemengelage aus Zuversicht und offensichtlichem Zweifel. Während Panamarenko seine zeppelinartige Skulptur The Aeromodeller auf der documenta 5 noch stolz als flugfähiges Objekt präsentiert, ist es der mitschwingende kindliche Trotz des „Und jetzt erst recht“, der dem Publikum das Herz erweicht. Kabakov zieht da schon an längeren Registern, und das schmunzelnde Lächeln verzieht sich zu einem stirnrunzelnden Seufzer über die unendlichen Wirrnisse des Geistes. In Hölzls Installation Grounded aus dem Jahr 2022 atmet die großväterliche Faszination beider in der Fliegerei aufgehenden Vorfahren noch leise mit und bildet in der feinen Vermengung mit der künstlerischen Fragmentierung des Enkels einen anekdotischen Rahmen.
Hölzls Arbeit gestaltet sich in der Berliner Galerie Dittrich & Schlechtriem über zwei Etagen, und es zeigen sich in allen Details der brillant inszenierten Objekte eben jene gedanklichen Risse, die nicht auf Anhieb als bedauernd oder anklagend zu deuten sind. Wir blicken in das bis auf die reine Grundkonstruktion reduzierte Skelett eines DA42-VI Flugzeuges hinein, ohne Flügel, Scheiben oder sonstige Details, finden vier Reifen eines Airbus A300 vor, von denen einer aus Wachs nachgeformt leise vor sich hin schmilzt. Eine Bodeninstallation sowie Arbeiten an den Wänden beziehen sich teilweise maßstabsgetreu auf den geschlossenen Flughafen Tempelhof, und es weht ein wenig Wehmut herüber vom ehemals nationalsozialistischen Großprojekt der Lüfte. Gerade eben jene gedankliche Schwebe bildet die Faszination der Installation, und Unentschiedenheit begleitet ein Bedauern über den ewigen Missbrauch technischer Innovation. Ohne die Luftfahrtindustrie des Zweiten Weltkrieges gibt es keine nachfolgend blühende amerikanische Architekturszene, aber auch keine Raumfahrt ohne die Hilfe ehemaliger NS-Techniker.
In der Ambivalenz suchen auch andere Künstler die tragische Verbindung zweier sich unterscheidender, aber ebenso bedingender Seiten einer Medaille aufzuspüren. Während Hölzl mit Materialien wie recycelten Kohlenstofffasern und Paraffin Hinfälligkeit inszeniert, nutzt Anselm Kiefer das Gewicht von Blei, aus dem er Flugzeuge als geschichtliche Last und Träger von Krieg und Zerstörung gestaltet. Beide bespielen sehr unterschiedlich Form und Funktion und legen dabei ihren jeweils gewählten symbolischen Gehalt frei, und auch Roman Signer nimmt dem Gerät die heroische Aura, indem er den Flieger mitunter in ein Spielzeug oder schlicht in einen störrischen Apparat verwandelt. Es erscheint nahezu verblüffend, dass irgendwo hinter all dieser physischen Infragestellung, ganz gleich ob humorvoll, melancholisch oder bedrohlich ummantelt, das Original, das sich in die Lüfte erhebende Objekt, noch immateriell und unangetastet dort am Horizont verbleibt, selbst wenn die Kondensstreifen schon lange verschwunden sind und die kindliche Hand deren imaginierte Flugbahn nachformt.
iir, february 2026
© daniel hölzl