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david fincher
fight club, 1999

psycho thriller

while the others are dancing,
martin eugen raabenstein’s
sensor spotlight focuses on:

fight club

© twentieth century fox

en
de

mediocre, boring, and without any potential – to escape his ikea-boy-catalogue-based future, a nameless, accident-analyzing recall coordinator at an automotive corporation flees his dreary remaining life into the adventure-soaked dreamworld of a clever and strong anarchist antihero named tyler durden. to the sad fairy tale of a consumer-poisoned american middle class drowning in furniture store specials, durden, a huckleberry-finn-like schizophrenic mind creation, opposes an underground playing early-pubescent revolution, where wild brawling, rude whoring, and euphoric window-smashing are all permitted. in the screeching frenzy of a heartbreakingly funny children’s party, high on an overdose of sweets and coca-cola, it only slowly dawns on the car specialist what dark land his ironclad split personality is diligently constructing. far too late, the no-longer-weak-chested protagonist recognizes the grave consequences of his violent alter ego’s work, and even a desperate suicide attempt with a firearm cannot prevent the staged showdown of skyscrapers collapsing in on themselves. chuck palahniuk’s 1996 novel is a cleverly conceived, defiantly formulated tirade of rage, demanding revenge for desecrated youthful dreams—a diatribe of an acne-scarred incel that threatens to drag everything around it into the abyss. the restructuring of social order through total destruction of the financial markets is meant to offer the men robbed of the american dream a fresh start, so they may finally receive what they believe they deserve.

what the viewer slowly begins to suspect in the lively dialogue between the split soul of edward norton and brad pitt seems to bring marla singer – the drug-infused bed partner of both – daily disillusionment, but no dawning insight. helena bonham carter plays the disinterested, insane companion to the bitter, explosive end – at times whiny and shrill, but ultimately speechlessly enduring. the increasing radicalization of her counterpart goes unnoticed in her hazy high, and so she not only falls giggling off the bed multiple times but also into a supporting role that does not further burden the plot. from dishwasher to millionaire – or so the myth goes – turns bitter for durden’s targets: the lofty promises of a costly, yet economically useless education reveal themselves as narrow, linear paths into the dull fields of clerks and waiters. how soothing, then, to physically feel oneself in this looming valley of insignificance, and to punch dignity back into one’s face in durden’s street-founded fight club. from the after-work brawls that strengthen more than just biceps to the recruitment of paramilitary task forces is only one more step – to lead the oppressed into another form of servitude, granting them what they lack most: perceptive community. the trick of self-empowerment for the little man works for adolf hitler, the maga movement feeds off the same – and so we stare speechless at a film that skillfully entangles itself in both past and future.

the cynic is a failed romantic, and through this touching reinterpretation, drugged as we are, we glimpse a sliver of humanism even behind the most mocking insults. david fincher’s casting of the world-destroyer durden with turn-of-the-millennium six-pack-god brad pitt turns the wicked satire into a potential parable – and thus the cinematic work presses into the real world of male have-nots and weaklings. in the classic the matrix, neo, the protagonist, receives a red truth pill and reappears as cyberculture online – as a red-pill awakening cult for incels oppressed by women, who believe they can claim a place on this planet by loudly praising each other. from there, it’s only a small step back to palahniuk’s boxer uprising – and so what strives for strength and power entangles itself in touching men’s self-help groups, simply of a different kind. reality and fiction in eternal embrace: the nameless, ikea-addicted puppet builds himself a psychological back staircase on which he sneaks into the highest centers of power to seize the long-desired scepter – of what exactly? identity-seeking helplessness takes shape in yet another hierarchical vessel, in which the now-purified masses cheer on a spiritual leader who knows all too well how to exploit what another film – also not about soap and its many useful ingredients – hints at: the silence of the lambs

iir, july 2025

Mittelmäßig, langweilig und ohne jegliches Potenzial –  um seiner IKEA-Boy-Katalog-basierten Zukunft zu entkommen, flieht ein namenloser, Unfälle analysierender Rückrufkoordinator eines Automobilkonzerns der drögen Restlebenszeit in die abenteuerdurchsaftete Traumwelt eines klugen und starken, anarchistischen Antihelden namens Tyler Durden. Dem traurigen Märchen eines konsumverseuchten, in Möbelhaus-Sonderangeboten ersaufenden amerikanischen Mittelstandes setzt die Huckleberry-Finn-artige, schizophrene Kopfgeburt Durden einen frühpubertär Revolution spielenden Underground entgegen, in dem wild geprügelt, rüde gehurt und des Nachbars Fensterscheibe euphorisch eingeschmissen werden darf. Im kreischenden Rausch einer herzzerreißend lustigen Kinderparty, bedröhnt durch eine Überdosis aus Gummibärchen und Coca-Cola, dämmert dem Karosseriespezialisten nur zögerlich, welch düsteres Land seine eiserne Abspaltung da emsig organisiert. Viel zu spät erkennt der nun nicht mehr dünnbrüstige Protagonist das folgenschwere Werk seines gewalttätigen Alter Egos, und selbst ein beherzter Selbstmordversuch mit Schusswaffe kann den inszenierten Showdown der explodierend in sich zusammensackenden Hochhäuser nicht mehr verhindern. Chuck Palahniuks 1996 erschienener Roman ist eine klug erdachte, trotzig formulierte, Rache für geschändete Jugendträume fordernde Zornesrede eines aknevernarbten Incels, die droht, alles um sich herum mit in den Abgrund zu reißen. Die Neustrukturierung sozialer Ordnung durch die völlige Zerstörung der Finanzmärkte soll den des amerikanischen Traumes beraubten Männern durch diesen Nullanfang ermöglichen, zu bekommen, was ihnen gebührt.

Was der Zuschauer im regen Dialog der aufgespalteten Seele in Edward Norton und Brad Pitt langsam erahnen mag, scheint Marla Singer – der drogendurchwirkten Bettgefährtin der beiden – zwar tägliche Ernüchterung, aber keine dämmernde Erkenntnis zu bringen. Helena Bonham Carter spielt die desinteressiert durchgeknallte Wegbegleiterin bis zum bitteren, explosiven Ende – mitunter zickig und zeternd, aber schlussendlich sprachlos durch. Die zunehmende Radikalisierung ihres Gegenübers entgeht ihr im berauschten Dauernebel, und so fällt sie nicht nur mehrfach kichernd vom Bett, sondern auch in eine die Geschichte nicht weiter belastende Nebenrolle. Vom Tellerwäscher zum Millionär – so erzählt es der Mythos – kehrt sich bei Durdens Zielpersonen bitter um: Die hehren Versprechungen eines teuer finanzierten, aber monetär nicht zielführenden Studiums entpuppen sich als geradlinige, enge Pfade hinunter in das tumbe Feld der kleinen Angestellten und Kellner. Wie wohltuend dann, sich in diesem dräuenden Tal der Nichtigkeit körperlich spüren zu dürfen und sich in Durdens auf der Straße gegründetem Fight Club im Zweikampf die Würde wieder ins Gesicht zu prügeln. Von der nicht nur die Oberarme stählenden Feierabendbalgerei zur Rekrutierung paramilitärischer Einsatztruppen ist es nur ein weiterer Schritt, den Geknechteten durch eine andere Form der Knechtschaft zuzuführen, was ihnen am dringlichsten fehlt: wahrnehmende Gemeinschaft. Der Trick mit der Selbstermächtigung des kleinen Mannes funktioniert bei Adolf Hitler, die MAGA-Bewegung speist sich daraus – und so betrachten wir sprachlos einen Film, der sich mühelos in Vergangenes und Zukünftiges zu verhaken weiß.

Der Zyniker ist ein verhinderter Romantiker, und durch diese anrührende Umdeutung narkotisiert erspähen wir selbst hinter der spöttischsten Schmährede noch ein Quäntchen Humanismus. David Finchers Besetzung des Weltensprengers Durden mit Jahrtausendwende-Sixpack-Gott Brad Pitt macht aus der bösen Satire eine mögliche Parabel – und so drückt sich das filmische Werk hinein in die reale Welt der männlichen Habenichtse und Mickerlinge. Im Klassiker The Matrix wird Neo, dem Protagonisten, eine rote Wahrheitspille verabreicht und taucht nun als Cyberkultur im Netz als Red-Pill-Erweckungskur eben jener von Frauen unterdrückten Incels auf, die glauben, sie könnten sich so eine Rolle auf diesem Planeten durch gegenseitiges Großquatschen zuschieben. Von da zurück zu Palahniuks Boxeraufstand ist es nur ein kleines Treppchen – und so verwebt und vernetzt sich, was eigentlich Stärke und Macht anstrebt, in anrührenden Männerselbsthilfegruppen, nur eben der  anderen Bauart. Realität und Fiktion in ewiger Umarmung: Der namenlose, IKEA-abhängige Hampelmann baut sich eine psychische Hintertreppe, auf der er sich hinauf in die höchsten Zentralen der Macht schleicht, um sich das lang ersehnte Zepter zu greifen – von was eigentlich genau? Identität suchende Hilflosigkeit formuliert sich hinein in ein letztendlich nur weiteres hierarchisches Gefäß, in dem die nun geläuterte Masse einem geistigen Führer zuwedelt, der wohl zu nutzen weiß, wovon ein weiterer Film, der ebenfalls nicht von Seife und deren vielfältig zu nutzende Bestandteile handelt: Das Schweigen der Lämmer...

iir, july 2025

fight club

scene taken from fight club