sarah lucas
bunny, 1997
wooden chair, vinyl seat, tights, kapok, metal wire, stockings, 95,0 x 64,0 x 90,0 cm
while the others are dancing,
today’s sensor review spotlight is on:
© sarah lucas & sadie coles hq, london
while valie export cuts the genital area out of her jeans in order to publicly present her pubic region, others are burning their bras at the same time to properly sexualize the stubborn and dusted public debate on bodily autonomy and patriarchal power. the difference between a cry of astonishment and a mocking giggle is based on only a minimal repurposing of the larynx, yet the intention behind it reflects a vastly different attitude. thirty years after export’s display of hairy body folds alongside a machine gun, sarah lucas’s work „bunny“ does not provoke by the sheer display of naked facts. her sculpture, clear at least in one aspect, plays with feminine attributes, while simultaneously turning the viewer’s interpretive apparatus upside down, shaking the focussed naming of what is seen. somewhere between amusement, shame, and voyeuristic curiosity, a “could this…?” flutters next to a “may I…?” ending in a helpless gesture – the mouth remains open in disbelief.
the freely flowing air, inhaling and exhaling, symbolizes the unplanned performative reaction to a finely themed game with the dos and don’ts of the subconscious. as we observe lucas’s other works in the room, the caught-up racing pulse calms down, for the rest of the exhibition’s audience also falls into the usual leisurely looped stroll. lucas wants to interact with things intuitively, following her feelings, and this strategy effortlessly transfers to us, the art gawkers. the playboy bunny in our heads plays tag with bugs bunny, and the supposed vulgarity of the scene folds around the naivety of our psyche—like the intertwined, cotton-filled fishnet stockings. lucas’s playfully arranged women’s clothing stretches into position, and over the years, the hard wooden chairs included in the display shift into chic objects of haute-design—one grows older and now prefers to sit comfortably. as a key figure among the young british artists, lucas shares a seat with tracey emin, whose works also explore the twists and turns of desire, power, and gender-related role understanding.
in stark contrast to their male colleagues, who have no trouble depicting the fruits of their choice in vigor and force across centuries on canvas, contemporary female artists show little growing interest in portraying the male subject. lucas’s unapologetic expression sometimes allows her stocking-seated figures to play with erectiles towering as high as a man – yet their actual stability holds a pudding-like fragility, making the prospect of a future cozy collapse all the more amusing. even with cucumbers in bed and fried eggs on breasts, lucas circles around the cheeky formulation of a dubious mutual approach without comedic consequences. those who wish to see a fetishization of the viewer-object dialogue in these works without contradiction are welcome to do so. the more advanced viewers may allow the front part of their lips to tremble in a slight quiver.
iir, october 2024
Während sich Valie Export den Genitalbereich aus ihrer Jeans herausschneidet, um sich so öffentlich auf den Busch klopfen zu können, verbrennen andere zeitgleich ihre Büstenhalter, um die öffentlich verstockt und verstaubt bleiben wollende Diskussion um körperliche Selbstbestimmung und patriarchalische Macht ordentlich zu sexualisieren. Der Unterschied zwischen einem Ausruf des Erstaunens und einem hämischen Gekicher basiert nur auf einer minimalen Umnutzung des Kehlkopfes, die dahinterliegende Intention allerdings unterscheidet eine mächtig anders gelagerte Haltung. Dreißig Jahre nach Exports Zurschaustellung haariger Körperfalten samt Maschinengewehr irritiert Sarah Lucas‘ Arbeit „Bunny“ nicht durch provokante Zurschaustellung nackter Fakten. Ihre zumindest in einem Punkt eindeutige skulpturale Arbeit spielt mit weiblichen Attributen, zugleich allerdings dreht sich der beurteilende Apparat des Betrachters um 180 Grad auf den Kopf und schüttelt die eindeutige Benennung des Gesehenen kräftig durch. Irgendwo zwischen Belustigung, Scham und Schaulust flattert ein „Kann das…?“ neben einem „Darf ich…?“ und endet in einer hilflosen Geste – der Mund verharrt in ungläubiger Öffnung.
Die so frei strömende Luft, Einatmen, Ausatmen, versinnbildlicht die ungeplant performative Reaktion auf ein fein thematisiertes Spiel mit den Dos und Don’ts des Unterbewussten. Bei der Betrachtung der anderen Arbeiten Lucas’ im Raum beruhigt sich der ertappt beschleunigte Puls, denn auch das restliche Publikum der Schau verfällt in das übliche schlendernde Traben in Schleifen. Lucas möchte intuitiv mit den Dingen umgehen, ihrem Gefühl folgen, und diese Strategie überträgt sich mühelos auf uns, die Kunst-Gaffer. Der Playboy-Bunny in unserem Kopf spielt ungehindert Fangen mit Bugs Bunny, und die vermeintliche Vulgarität der Szene faltet sich um die Naivität unserer Psyche – wie die sich umschlingenden, mit Baumwolle gefüllten Netzstrümpfe. Lucas’ frivol arrangierte Damenbekleidungen räkeln sich in Position, und mit den Jahren wechseln die zur Zurschaustellung einbezogenen harten Holzstühle über in schick zu nennende Objekte der Design-Haute-Volé – man wird älter und pflegt nun, bequem zu sitzen. Als eine tragende Position der Young British Artists teilt sich die Künstlerin einen Hocker mit Tracey Emin, deren Werke ebenfalls die Irrungen und Wirrungen von Lust, Macht und geschlechterbezogenem Rollenverständnis umschleichen.
Im krassen Gegensatz zu ihren männlichen Kollegen, die keinerlei Probleme haben, die Früchte ihrer Wahl in Saft und Kraft über Jahrhunderte hinweg auf die Leinwand zu bannen, zeigen zeitgenössische Künstlerinnen wenig anwachsendes Interesse an der Abbildung des männlichen Sujets. Lucas‘ unverzogene Miene gestattet ihren Strumpfhockerinnen mitunter mannshohe Erektile zum Spielen – da deren faktischer Stabilität ebenjene puddingartige Entkräftigung innewohnt, ist die Vorstellung eines zukünftig wohlig gemeinsamen Zusammensinkens eher belustigend. Auch mit Gurken im Bett und Spiegeleiern auf den Brüsten zirkuliert die Künstlerin um die vorwitzige Formulierung der zweifelhaften gegenseitigen Annäherung ohne komödiantische Folgen. Wer in diesen Arbeiten ohne jeglichen Ansatz von Widersprüchen eine Fetischisierung des Betrachter-Objekt-Dialoges erkennen möchte, darf dies gerne tun. Die Fortgeschrittenen dürfen den vorderen Teil ihrer Lippen gerne in leichtem Beben erzittern lassen.
iir, october 2024