michaël borremans
the swimming pool, 2001
pencil & watercolor on paper, 34 x 28,2 cm
while the others are dancing,
martin eugen raabenstein’s
sensor spotlight focuses on:
© michaël borremans
in the 1960 sci-fi horror film “village of the damned,” a dozen supernaturally gifted children with telepathic powers are born at the same time and grow into twelve-year-olds in only three years. they look physically similar, dress accordingly, and separate themselves as a group from the worried village community. various accidents, including deadly ones, are attributed to the children, and people try to eliminate them, which finally succeeds only through deceit. the story’s 77-minute running time, from the moment of the dozen’s birth onward, produces an unbroken chill in the audience — rarely does a production manage to stage the us versus the others so powerfully. full of horror, we stare at the clichéd use of the children’s blonde hair, and the cinematic trick of intensifying their telepathic ability through glaring, glowing eyes places the final piece of wood on the pyre of their damnation. the mere observation of this process makes us, as viewers, grow closer together and perceive the other within the other as even more alien. michaël borremans’ painterly/drawing work repeatedly and precisely points to this deeply disturbing moment of contact with an unknown non-self.
the belgian’s works rest on a broadly founded knowledge of art history, whose classical portrait constructions he adopts with ease, only to give our innocent viewing a subtle but nasty sting through the treacherous addition of unsettling details — a sensation that feels familiar to us since childhood. the costume concept borremans develops — somewhere between medieval plague masks and more contemporary protective devices — is as responsible for our increasing dread as the autistic-ritualized naturalness of the artistic act presented to us. the brilliantly directed staging begins its seemingly harmless dance exactly where the otherwise dull decision between good and evil loses its firm moral footing and shifts into a hovering state of both-and-maybe-not-no-idea. borremans’ skill can already unsettle us through differently colored hands or through two fingers searching to explore something unknown inside one’s own mouth — the artist likes the restlessness in us, and he plays with it.
“people must be punished” is a rare typographic addition by borremans, who usually prefers fragmentary presentation without resolution. the paper work “the swimming pool” needs no further research into which historically surveying photograph is referenced — the inscription makes it clear: this will have nasty consequences. in the combination of a gigantic projection in front of a filled public swimming area, the obvious threat gains another level of irritation — but here, too, the artist withdraws behind the supposed obviousness of the presented scene. symbolism and surrealism have a long tradition in belgium, and borremans positions himself smoothly between james ensor and rené magritte, without needing to fear their immediate proximity. horror plays a less unusual register in our media-saturated minds, and it is precisely the quietly delivered calm, the silence of the action, that makes us — though reluctantly — enter into the game with our own unease.
iir, january 2026
Im Jahr 1960 erschienenen Sci-Fi-Horror-Streifen „Village of the Damned“ werden ein Dutzend übernatürlich begabte Kinder mit telepathischen Kräften zeitgleich geboren und wachsen in nur drei Jahren zu Zwölfjährigen heran. Sie sehen sich körperlich ähnlich, kleiden sich auch entsprechend und sondern sich als Gruppe von der beunruhigten Dorfgemeinschaft ab. Verschiedene Unfälle, darunter auch tödliche, werden auf die Kinder zurückgeführt, und man versucht, sie zu eliminieren, was schließlich nur durch Hinterlist gelingt. Die 77 Minuten Laufzeit der Geschichte werden ab dem Zeitpunkt der Geburt des Dutzends beim Publikum eine durchgängig anhaltende Gänsehaut produzieren – selten gelingt es einer Produktion, das WIR gegen die ANDEREN so eindrücklich in Szene zu setzen. Voller Entsetzen starren wir auf das klischeehaft eingesetzte blonde Haar der Kinder, und der filmische Trick, ihre telepathische Fähigkeit durch überstrahlend leuchtende Augen noch zu steigern, legt das finale Stück Holz auf den Scheiterhaufen ihrer Verdammnis. Die schiere Beobachtung dieses Vorganges lässt uns als Zuschauer zusammenwachsen und das Andere im Anderen noch befremdlicher erscheinen. Michaël Borremans’ malerisch/zeichnerische Arbeit verweist präzise immer wieder auf diesen höchst beunruhigenden Moment des Kontakts mit einem unbekannten Nicht-Ich.
Des Belgiers Arbeiten ruhen auf einer breit fundierten kunstgeschichtlichen Kennerschaft, deren klassische Porträtkonstruktionen er leichtfüßig übernimmt, nur um unserer unschuldigen Betrachtung durch die heimtückische Beifügung unbequem erscheinender Details eben jenen feinen, aber gemeinen Stich zu versetzen, der uns seit Kindheitstagen so vertraut erscheint. Dabei ist die irgendwo zwischen mittelalterlichen Pestmasken und zeitgenössischeren Schutzvorrichtungen angesiedelte Kostümierungsvorstellung Borremans’ ebenso entscheidend für unser zunehmendes Fracksausen verantwortlich wie auch die autistisch-ritualisierte Selbstverständlichkeit des uns vorgeführten bildnerischen Akts. Die brillant geführte Inszenierung beginnt ihren unverfänglichen Tanz genau dort, wo die eigentlich öde Entscheidung zwischen Gut und Böse den sicheren moralischen Bodenkontakt in einen sowohl-als-auch-vielleicht-nicht-keine-Ahnung schwebenden Unzustand überführt. Borremans’ Geschicklichkeit kann uns schon durch verschiedenfarbige Hände irritieren oder zwei Finger, die Unbekanntes im eigenen Mund zu ergründen suchen – der Künstler mag das Unruhige in uns, und damit spielt er.
„People Must Be Punished“ ist eine seltene, typografische Beifügung Borremans’, der eher das fragmentierende Vorführen ohne Auflösung bevorzugt. Die Papierarbeit „The Swimming Pool“ bedarf keiner weiteren Recherche, auf welche historisch musternde Fotografie hier zurückgegriffen wird – die Beschriftung macht klar: Dies hier wird üble Folgen nach sich ziehen. In der Kombination einer gigantischen Projektion vor einem gefüllten öffentlichen Badeort erfährt die offensichtliche Androhung eine weitere Ebene der Irritation – aber auch hier zieht sich der Künstler hinter der vermeintlichen Selbstverständlichkeit der dargebrachten Szenerie zurück. Symbolismus und Surrealismus haben in Belgien eine lange Tradition, und Borremans reiht sich geschmeidig zwischen James Ensor und René Magritte ein, ohne deren unmittelbare Nähe befürchten zu müssen. Das Grauen spielt eine weniger ungewöhnliche Tonleiter in unseren medienüberfluteten Köpfen, und es ist gerade die lautlos vorgetragene Ruhe, die Stille der Aktion, die uns auf das Spiel mit unserer eigenen Unruhe, wenn auch widerwillig, eingehen lässt.
iir, january 2026